Herzogschloss Straubing

Das monumentale Herzogschloss Straubing an der Donau

Mit dem Bau des mehrteiligen Anwesens begann Herzog Albrecht I im Jahr 1356. Das Wohnschloss sollte als herzogliche Residenz dienen, zugleich Teile der Verwaltung beherbergen und für festliche Anlässe nutzbar sein. Tatsächlich wurden nach der Fertigstellung Gerichtstage abgehalten, die Stände versammelten sich im Rittersaal und Kaiser Sigismund wählte das Schloss für den Reichstag 1430 aus.

Um das gewünschte Ziel schneller und kostengünstig zu erreichen, wurden bereits bestehende Gebäude der Stadtbefestigung in das ehrgeizige Projekt integriert, die für die vorgesehene Nutzung nur teilweise umzubauen waren. Aus der alten Stadtmauer stammt beispielsweise der markante Torturm, einer der eindrucksvollsten Teile des Donauschlosses.

Dabei unterhielt die Herrscherdynastie mehrere Wohnsitze, darunter auch in Den Haag, denn das Herzogtum erstrecke sich über Teile Bayerns, Zeeland, Holland und den Hennegau.

Herzogschloss Straubing

Eine weitläufige Residenz entsteht

Zwei übergroße, massive Turmbauten rahmen den Fürstenbau ein, dessen Front der Donau zugewandt ist. Die Mitte dieses Gebäudeteils wird im Obergeschoss vom Rittersaal eingenommen, der im holländischen Stil unter dem Fürstensohn Johnann III entstanden ist.
Eine Etage tiefer findet sich die Türnitz, der aufwendig gestaltete und beheizbare Speiseraum, in dem im Mittelalter das Hauspersonal seine Mahlzeiten eingenommen hat. In der seitlichen Verlängerung waren die Wohnräume der Herzogsfamilie eingerichtet.

Die Schlosskapelle

Ab 1373 wurde die Schlosskapelle St. Sigismund und St. Georg gebaut, was bis zur Weihe 1393 nahezu 20 Jahre benötigen sollte. Das mehrfach umgebaute Gotteshaus weist heute ein barockes Kirchschiff aus dem 15 Jahrhundert vor und die feinen Stuckarbeiten stammen aus dem Jahr 1720. Auffällig ist der Turm der Kapelle, der schlank gestaltet wurde und nur wenige Meter über dem Dachfirst endet.

Der Torturm mit Fallgitter

Auffälligster Teil des Gebäudeensembles ist der Torturm, der bereits vor Baubeginn der herzoglichen Residenz bestand. Er gehörte ursprünglich zur Stadtmauer, die als Verteidigungsmaßnahme entlang der Donauufer und um den Altstadtkern gezogen war. In der Passage sind noch immer die Haltevorrichtungen des Fallgitters sichtbar und die ausgefeilte Technik um den Zugang zu schließen, findet sich im Turm selbst. Der beherbergt zudem zwei historische Glocken, von denen die älteste 1544 in Landshut vom Glockenmeister Hans Meixner gegossen wurde.

Der Außenbereich unterhalb des Dachfirst ist mit einem Fries aus Wappen der Herrscherfamilie geschmückt, darunter auch das ursprünglich in Holland verwendete Wappensymbol. Etwas tiefer und direkt über dem Tordurchgang prangt das pfalzbayerische Wappen, so wie Kurfürst Karl Theodor es an seiner Standarte führte.

Eine tragische Liebe

Etwas abgesetzt ist der Vizthumspalast die Bezeichnung für den Schlossteil, der dem Stadthalter als Wohnsitz und Verwaltungsbereich gedient hat. Zudem waren auf dem Gelände mehrere Türme und Türmchen angesiedelt, von denen nur der in der nordwestlichen Ecke des Komplexes die Jahrhunderte überstanden hat.

Bekannt als Agnes-Bernauer-Turm, ranken sich zahllose Legenden um das markante Bauwerk. Der Turmbau wurde nachweislich erst gut 100 Jahre nach dem Tod der jungen Augsburgerin errichtet, dennoch berichtet die Legende, dass die Baderstochter hier eingekerkert war.

Geschichtlich belegt ist, das Albrecht III, der einzige Sohn von Herzog Ernst zu Bayern-München-Straubing wohl im Frühjahr 1428 auf Agnes Bernauer traf und sich verliebte. Nach einer vermutlich heimlichen Hochzeit, begab sich Albrecht III 1435 auf die Jagd. Zur damaligen Zeit galt der Beruf des Baders als unehrenhaft, weshalb Kinder aus der unerwünschten Verbindung generell von jeder Thronfolge und Erbfolge ausgeschlossen waren.

Der Vater Herzog Ernst sah keinen anderen Ausweg sein Herzogtum für die Zukunft zu schützen, als während der inszenierten Abwesenheit seines Sohnes ein heimlich vorbereitetes, schnelles Gerichtsverfahren gegen die unliebsame Schwiegertochter zu lancieren. Er ließ Agnes Bernbauer wegen Majestätsverbrechen, Landschädigung und Zauberei anklagen, woraufhin sie zum Tode verurteilt und am 12. Oktober 1435 in der Donau ertränkt wurde.

Diese tragische Liebesgeschichte wird im Rhythmus von vier Jahren als Bühnenstück präsentiert, wobei der Schlosshof des Herzogschloss Straubing die passende Kulisse bietet. Übrigens haben sich Vater und Sohn nur ein Jahr nach dem Tod von Agnes Bernbauer versöhnt. Anschließend heiratete Albrecht III wunschgemäß Anna von Braunschweig und trat bereits 1438 die Nachfolge seines Vaters als Herzog an.

Die Herzogsresidenz heute

Die weitläufige Anlage ist Sitz des Finanzamtes und das Gesundheitsamt der Stadt Straubing ist in den historischen Gemäuern untergebracht. Außerdem sind mit dem Stadtarchiv, der Bildstelle und der städtischen Bibliothek zwei sehr passende Institutionen im Herzogschloss Straubing zu finden.

Neben den Agnes-Bernauer-Festspielen alle vier Jahre, werden im Schlosshof gelegentlich zur Kulisse passende Veranstaltungen inszeniert. Der imposante, nahezu 400m² große Rittersaal ist das Prunkstück des Wohnschlosses und regelmäßig Schauplatz von Konzerten, Ausstellungen und Präsentationen. Der Saal kann zu bestimmten Anlässen gemietet werden, wozu die Stadt Straubing Auskunft erteilt.