Die dreischiffige Basilika St. Jakob in Straubings Altstadt

Die dreischiffige Basilika St. Jakob in Straubings Altstadt

Um das Jahr 1400 wurde der Grundstein zur heute 2.132m² großen Pfarrkirche gelegt, deren Planung dem Baumeister Hans von Burgenhausen anvertraut wurde, einem Spezialisten für dreischiffige Hallenkirchen in spätgotischem Stil. Der hochgeachtete Architekt, der richtig Hanns Purghauser hieß, baute oder entwarf unter anderem die St. Nikolaus-Kirche in Neuöttingen, die Franziskanerkirche in Salzburg und die anmutige St. Barbara-Kapelle in Meran. In Landshut war er maßgeblich für die Vollendung der Martinskirche verantwortlich und die Heilig-Geist-Kirche gilt als sein Hauptwerk. Dieses Gotteshaus war sein letzter Auftrag, den er nicht beenden konnte, denn er verstarb während der Arbeiten am 14. August 1432 in Landshut.

Die Architektur der beeindruckenden Hallenkirche

Von Burgenhausen plante St. Jakob als dreischiffige Hallenkirche in einem geschlossenen Langhaus mit einer Länge von 89m und einer Breite von 28m. Für seine Bauweise typisch sind die hohen, sehr schlanken Pfeiler im Hallenzentrum, was dem Sakralbau eine Höhe von 22m beschert. Charakteristisch für seine Art zu bauen sind zudem die niedrigen Kapellen, die in die Pfeilverstrebungen integriert wurden und der insgesamt polygonale Grundriss mit angesetzten Chorumgang.

Die Straubinger Pfarrkirche besticht durch die 20 Seitenkapellen, die wie ein Kranz die Langhalle umgeben, ohne dabei störend zu wirken. Es sollte über 100 Jahre dauern, bis 1512 der Bau der Kirche mit den Kapellen abgeschlossen wurde.

Der Ausbau der Basilika St. Jakob

In den folgenden Jahrhunderten wurden Anbauten und der Innenausbau in Angriff genommen. Deshalb sind unterschiedliche Stilrichtungen in der Pfarrkirche zu sehen, die sich auf elegante Weise ergänzen, teilweise miteinander verschmelzen.

Die prachtvollen Hochfenster

Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Fenster eingebaut, die den wohl größten Schatz der Kirche darstellen. Die mittelalterlichen Hochfenster im neugotischen Stil faszinieren durch die intensiven Farben und die Ausführung der Motive. Sie sind insgesamt einer der umfassendsten Bestände an Kirchfenstern dieser Epoche in Deutschland, nach dem Regensburger Dom und der Basilika St. Martin in Amberg.

Insbesondere das Mosesfenster, das die Übergabe der zehn Gebote von Gott an Moses zu Thema hat, begeistert seine Betrachter. Der Entwurf zu diesem Motiv soll nach den Erkenntnissen der Kunsthistoriker auf Albrecht Dürer zurückgehen.

Der Hochaltar stammt aus Nürnberg

Optisches und spirituelles Zentrum der Kirche ist der prachtvolle Hochaltar. Er wurde 1486 eingebaut, stammt aber ursprünglich aus dem Kloster Veit in Nürnberg. Er wird von Heiligenfiguren geziert, die Maria mit Kind, Maria Magdalena, den Heiligen Leonhard und die Kirchenpatrone Jakobus sowie Tiburtius darstellen.

Der Altar wurde im neugotischen Stil umgearbeitet und verfügt über zwei Flügel. Die zeigen in geöffnetem Zustand an kirchlichen Feiertagen zwei Abbildungen – die „Auferstehung des Herrn“ und die „Krönung Mariens“.

Regulär einfach geschlossen, sind sechs Gemälde mit sakralen Motiven sichtbar, die aus der Werkstatt Michael Wolgemuts stammen, Dürers Lehrmeisters. Zu sehen sind dann; „Darstellung des Kindes im Tempel“, „Christi Himmelfahrt“, „Anbetung der Könige“und die „Geistsendung“.

Während der Fastenzeit werden die Flügel des Hochalters zweifach geschlossen, was zwei Darstellungen aus dem Jahr 1895 nach außen kehrt, die „Jesus begegnet den weinenden Frauen“ und „Beweinung Christi“ zum Thema haben. Selbst die Rückwand des Schreins wurde dekorativ gestaltet, denn hier ist in drei Teilen die „Verklärung auf dem Berg Tabor“ dargestellt, was ebenso 1895 erfolgte.

Die Kanzel aus dem Rokoko

Im Jahr 1752 begann der kurfürstliche Bildhauer Wenzel Myrowsky mit der Ausführung der Kanzel. Die wurde vom Straubinger Schreinermeister Johann Heinrich Klembt, der die Stiege konstruierte und dem Straubinger Stuckateur Mathias Obermayr vollendet, auf den die Verkleidung im damals zeitgemäßen Rokoko-Stil zurückgeht.

Selbst nach längerer Betrachtung des Kanzelkleides entdecken Betrachter immer wieder neue, bisher nicht bemerkte Abbildungen oder Verzierungen, derart überreich ist die schmuckvolle Ausführung.

Auffällig ist die dominierende Figur des Heiligen Jakob. Ihm zur Seite stehen die sieben Engel, die Ihre Aufgabe als Symbol präsentieren; den Anker, die Kerze, ein Evangelienbuch, die Gesetzestafeln, das Kreuz, ein Bund Getreideähren, eine pralle Weintraube, das Schwert und einen Palmwedel.

Am Kanzelkorb sind Reliefs angebracht, auf denen die vier Evangelisten und der Heilige Florian abgebildet sind. An der Stiege wird der Martertod der Heiligen Sebastian sowie Laurentius thematisiert und eine Darstellung zeigt „Unsere Liebe Frau von Altötting.

Um auf die Kanzel zu gelangen, muss ein üppig verzierter Durchgang passiert werden. Hauptmotiv hier ist eine Büste des Heiligen Johannes Nepomuk. Als Zeichen der kirchlichen Verschwiegenheit wurden zudem Abbildungen von Engeln mit Kreuz und Vorhängeschloss in die Pforte integriert. Zwei weitere Reliefs zieren die Tür zur Kanzel, auf denen die Beichte der Königin Johanna beim heiligen Johannes Nepomuk dargestellt ist sowie dessen Martyrium.

Das 16. Jahrhundert beschert Straubing ein Wahrzeichen

Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Kirchturm vollendet, der mit 90m der höchste im Landstrich ist. Ihn ziert eine schlanke, geradezu grazile Zwiebelhaube, die sehr spitz zuläuft und zum weithin erkennbaren Wahrzeichen der Stadt wurde. In ihm ist eine doppelstöckige Aufnahme für die Glocken eingebaut, die 2001 grundlegend restauriert und teilweise umgebaut wurde. Grund war die Installation von drei zusätzlichen Glocken, um das Klangloch der bisherigen sieben Glocken von 1948 auszugleichen.

Die Orgeln der Basilika

Aus akustischen Gründen wurden 1964 und drei Jahre später zwei Orgeln eingebaut, die als Hauptorgel und als musikalische Unterstützung des Chors dienen. Besonders interessant ist dabei, dass die Chororgel über einen eigenen Spieltisch verfügt – aber auch über die Hauptklaviatur bespielt werden kann. Umgekehrt kann die Chororgel durch 30 Register der Hauptorgel unterstützt werden. Insgesamt sind 5.848 Pfeifen auf 77 Registern verfügbar, werden beide Orgeln vom Haupttisch gleichzeitig bespielt.

Die Erhebung zur Basilika

Papst Johannes Paul II erhob am 23. Juli 1989 die Pfarrkirche St. Jakob in Straubing zur Basilica minor. Das apostolischen Dokument Sancti profecto machte die Stiftskirche damit zur päpstlichen Basilika. Die letzte Grundrenovierung erfolgte ab Oktober 2011 und dauerte nahezu 27 Monate. Erst im Dezember 2013 konnte die Basilika St. Jakob in Straubing bei einem feierlichen Gottesdienst mit dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer neu geweiht und als Andachtsstätte den Gläubigen wieder zur Verfügung gestellt werden.